Fasten Mythos #6: “Fasten verursacht Verlust von Muskelmasse”
Geschrieben von Johannes Steinhart (M.Sc. Biomedizin & Ernährungswissenschaften)
Dieser Mythos ist eng gekoppelt an den Glauben, man müsse eine konstante Eiweißversorgung gewährleisten, um keine Muskelmasse zu verlieren. Wie ich vorher erklärt habe, wird Eiweiß nur sehr langsam aufgenommen. Nach einer eiweißreichen Mahlzeit ist der Körper für mehrere Stunden mit Eiweiß versorgt.
Es haben sich leider bisher noch keine Studien, mit einem für uns relevanten Design, damit beschäftigt. Interessant wäre zum Beispiel: Schauen, wie sich die Eiweißkonzentration im Blut und der Verbrauch einzelner Gewebearten nach einem großen Steak und Gemüse, gefolgt von Hüttenkäse und Beeren als Nachtisch, entwickelt. Das sind leicht über 100g Eiweiß und auch eine typische Mahlzeit bei der Leangains Methode.
Uns bleibt nur, unsere eigenen Schlüsse aus dem uns Bekannten zu ziehen. Zum Beispiel, dass eine kleine Menge Kasein, zugeführt als Flüssigkeit auf einen leeren Magen, nach sieben Stunden immer noch Eiweiß ins Blut abgibt. Mit diesem Wissen ist es keine abwegige Annahme, dass nach 100g Eiweiß als Teil einer ausgewogenen Mahlzeit am Abend, nach 16-24h immer noch Eiweiß ins Blut aufgenommen werden.
Einige wenige Studien haben den Effekt von regelmäßigem Fasten auf den Erhalt von Muskelmasse mit einer Kontroll Gruppe verglichen. Keine dieser Studien untersuchte das Fasten in einer Weise, in der die meisten von uns fasten. Manche Studien sind voller Fehler im Studienaufbau oder der Methodik. Wie diese Studie, die eine Zunahme der Muskelmasse bei gleichzeitigem Verlust von Fettmasse zeigte und das ohne die Kalorienaufnahme zu verändern oder das Training umzustellen. Lediglich die Mahlzeitenfrequenz wurde geändert. Gerne würde ich diese Studie als Beweis für die Vorteile von Intermittent Fasting anführen, aber leider wurde für die Messung der Körpergewebe die BIA Methode verwandt, die zu ungenau ist.
Ein Problem bei langem Fasten ist der Eiweiß-Katabolismus. Dies geschieht, wenn das gespeicherte Glykogen in der Leber aufgebraucht ist. Um einen gewissen Blutzuckerspiegel zu gewährleisten, wandelt der Körper Eiweiß in Glukose um (DNG: de novo glucogenesis). Dies geschieht allmählich. Wenn dann kein Eiweiß von der Nahrung zugeführt wird, greift der Körper auf seine eigenen Eiweißspeicher, wie beispielsweise die Muskulatur, zurück. Herr Cahill untersuchte den Anteil von Eiweiß an der DNG nach Zufuhr von 100 g Glukose. Nach 16 Stunden sorgte Muskeleiweiß für 50% der Aufrechterhaltung der Glukosespiegel. Nach 28 Stunden (Leberglykogenvorräte vollständig verbraucht) sorgte Muskeleiweiß zu 100% für die Aufrechterhaltung der Glukosespiegel.
Für jemanden, der eine eiweißreiche Mahlzeit vor der Fastenphase zu sich nimmt, erübrigen sich die Sorgen, da man reichlich Eiweiß von dieser Mahlzeit während des Fastens zur Verfügung hat.
Der Vergleich mit dem Ramadan hinkt. Ramadan bedeutet keine Diät im eigentlichen Sinne. Im Ramadan haut man sich jeden Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, dermaßen den Bauch voll, dass es bis zum nächsten Abend reicht. Ich kenne viele, die im Ramadan mehr Masse zulegen, als außerhalb des Ramadans.
Es geht hier um die Leistung im Fastenzustand nicht um etwas Diätspezifisches. Lies es nochmal genau.
Hallo,
Recht interessant der Artikel; aber was ich am eigenen Leib (nach schon 3 Monaten low carb diet) erfahren musste, ist ,dass ,auch wenn zwar die Leistung nicht wirklich direkt darunter gelitten hat, ich nach zwei Übungen erstmal Käse weiß wurde im Gesicht. Mein fitnesstrainer hat zum Glück schnell reagiert und mich hingelegt und mir einen Eiweißriegel und einen shake gemacht sonst wäre ich umgekippt. War zwar, dass erste mal nach drei Monaten, aber durfte mir erstmal anhören ich solle vernünftig frühstücken bevor ich trainieren gehe ;)
was ich zuvor gegessen habe war wie immer einen 500g magerquark mit fettarmen Joghurt und ein paar Himbeeren
Exakt – es gibt interindividuelle Unterschiede.
Hallo,
Interessante Link-Sammlung, danke. Schade nur, sobald das Wort „einzigste“ fällt hat man sofort das Gefühl, dass der Autor kein Studierter ist und ebenfalls zur Gruppe derer gehört, die er im Leitartikel so kritisiert.
Hey! Toller Artikel! Ich bin mir nur bei einem nicht sicher:
Habe selbst schon gesehen und gehört, dass Krafttraining oder Bodybuilding schon auf leeren Magen möglich ist. Allerdings habe ich es am eigenen Leib schon erfahren, dass Cardio auf leeren Magen schon wieder ganz anders aussieht. Da leidet die Performance extrem darunter :/
Zumindest ein gutes Frühstück sollte es sein, bevor man Laufen geht! :D
Es gibt Hinweise, dass Cardio im fastenden Zustand zu besseren Adaptionen führt (auch wenn es sich wie Kraftraining in gewissen Umständen insbes. zu Beginn „härter“ anfühlt).
Siehe: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20452283
Martin hat das auch mal besprochen: http://www.leangains.com/2010/05/fasted-training-boosts-endurance-and.html
Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *