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5×5 Training – Kraft und Masse mit System

Geschrieben von Johannes Steinhart (M.Sc. Biomedizin & Ernährungswissenschaften)

Das 5×5 Trainingssystem ist mehr als nur ein Trainingsplan. Das 5×5 Training ist eine hochflexible Methode für jeden, der das Ziel hat, Kraft und Masse aufzubauen.

Es gibt 5×5 Trainingspläne von Mark Rippetoe (Starting Strength), über Bill Starr ’s Versionen bis hin zu Madcow’s Trainingspläne oder Stronglifts 5×5, um nur einige zu nennen. Auch unser Xplode #ONE (Fokus auf Muskelaufbau) ist mit 6er Sätzen recht nach an 5 Wdh in den Mainlifts. 

Wenn jemand behauptet, er trainiere nach dem 5×5 System, sagt das alleine nicht viel. Durch die Vielzahl an Variationen können, abhängig vom Ziel des Athleten, die Parameter stark verändert werden. Gemeinsam ist allen nur, dass 5 Sätze mit 5 Wiederholungen ausgeführt werden (mit wenigen Ausnahmen).

5 Wiederholungen: Kraft oder Masse?

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird die Frage gestellt: „5 Wiederholungen? Damit baut man doch keine Masse auf„. Ohne in den Glaubenskrieg der optimalen Wiederholungen für Muskelwachstum einzusteigen, lassen sich folgende Fakten nennen:

Bei 5 Wiederholungen trainiert man ungefähr mit 85% des 1 Rep Max. Bei dieser Intensität werden alle entscheidenden Muskelfasern ab der ersten Wiederholung aktiviert. Gleichzeit sind 5 Wiederholungen genug um eine Ermüdung des Muskels zu bewirken. Kraftreiz + Ermüdungsreiz gepaart mit einer kontinuierlichen Steigerung der Gewichte (progressive tension overload) sind eine optimale Kombination für Fortschritte im Kraftraum.

Im Vergleich zu höheren Wiederholungszahlen ist die Ermüdung während eines Satzes beim 5×5 geringer. Eine steigende Ermüdung geht meist mit einer schlechten Übungsausführung einher. Bei fünf Wiederholungen wird dieses Problem tendenziell vermieden.

Während für den Fortgeschrittenen sicherlich auch andere Trainingssysteme in Frage kommen, bieten die 5×5 Programme vor allem dem Einsteiger eine der besten Möglichkeiten, ein solides Fundament an Kraft und einen Berg an Muskelmasse aufzubauen. Nicht zu vergessen ist, dass als Natural Kraft und Masse nie weit auseinander liegen. Oder schon mal eine Hühnerbrust gesehen, die 150kg auf der Bank drückt? (Siehe auch Kraft=Masse! und Kraftstandards).

Gemeinsamkeiten aller 5×5 Trainingspläne

Es wird grundsätzlich drei mal pro Woche trainiert. In den meisten Setups werden Montag, Mittwoch und Freitag genannt. Natürlich sind auch andere Kombinationen denkbar (Di, Do, Sa), so lange immer mindestens ein Tag Pause zwischen den Trainingseinheiten liegt.

Das 5×5 Training kann als Ganzkörpertraining betrachtet werden. In jeder Trainingseinheit werden Beine, Rücken, Brust/Schulter trainiert. Beispiel: Mo: Bankdrücken, Mi: Schulterpresse, Fr: Bankdrücken. Es handelt sich also um ein hochfrequentes Training.

In den Fortgeschrittenen Programmen sieht man wie das Ermüdungsmanagement in den Vordergrund rückt. Beispielsweise gibt es dann harte, leichte und mittelschwere Tage oder eine richtige Periodisierung über mehrere Wochen. Denn in diesem Stadium ist niemand mehr fähig, eine Muskelgruppe drei mal die Woche mit 5×5 Wiederholungen hart ranzunehmen.

Beim Anfänger sieht das anders aus. Die Frequenz von drei mal/ Woche ist nahezu ideal. In vielen Programmen wird sogar Mo, Mi und Fr gebeugt. Da lassen die Ergebnisse nicht lange auf sich warten.

Das 5×5 Training ist eines der besten Trainingssysteme für viele verschiedene Anwendungen. Es hat über 40 Jahre immer wieder seine Effizienz unter Beweis gestellt und es gibt Gründe, dass es heute so populär ist wie nie. Wer auf der Suche nach dem besten Trainingsprogramm ist, wird es auch hier nicht finden, da es kein bestes Trainingsprogramm gibt, sondern nur das richtige für die aktuellen Ziele. Viele Trainierende in unseren Fitnessstudios wären jedoch mit einem 5×5 Programm wesentlich besser beraten als mit diversen Spezialplänen.

5×5 Sätze und Wiederholungen

Wie bereits erwähnt, gibt es unterschiedliche Interpretationen davon, was 5×5 bedeutet.

Ramp to Top Set

Bill Starr ist vermutlich einer der Väter des 5×5 Trainings. In seinem Buch „The Strongest Shall Survive“ hat er seine Ideen zu Training und Ernährung festgehalten. Starr benutzt in fast allen seinen Programmen eine Steigerung der Gewichte bis zu einem Topsatz. Es geht also von einem leichten Aufwärmsatz bis zu einem „all out“ Satz. Die Gewichte in den einzelnen Sätzen könnten zum Beispiel so aussehen: 35%, 70%, 80%, 90%, 100% des 5 rep max. In den einzelnen Trainingsprogrammen wird dieses Vorgehen oft als 1×5 bezeichnet.

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Beispiel: Kniebeugen mit einem 1RM bei 170kg. Mit dem 1 Repetition Maximum Rechner, liegt das 5rm bei 150kg. Also sehen die 5 Sätze wie folgt aus: 55/105/120/135/150.

Sets across

Sets across heißt nichts anderes, als dass alle Sätze mit dem gleichen Gewicht ausgeführt werden. 5×5 sets across mit 100kg heißt also 100/100/100/100/100. Offensichtlich stellt das ein ganz anderes Volumen dar als bei „Ramp to Top Set“ und gleichzeitig erreicht man eine geringere maximale Intensität. Dies ist weder gut noch schlecht. Es ist lediglich ein anderes Werkzeug für andere Ziele.
Es sei noch angemerkt, dass Mark Rippetoe’s bekanntes Starting Strength genau diese Sets across anwendet, allerdings nur mit drei Sätzen.

Organisation des Trainings

Anfänger, Fortgeschrittene und Profis haben unterschiedliche Anforderungen an verschiedene Variablen des Trainings. Je mehr Gewicht man bewältigen kann, desto wichtiger wird das Stressmanagement. Ohne eine Balance von Training und Erholung kommt man nicht weit voran. Deshalb sieht man die Implementierung von Periodisierung für fortgeschrittene Athleten, während Anfänger in jedem Training mehr Gewicht auflegen können.

Anfänger: 3 mal die Woche Gewichtssteigerung

Typischerweise wird von Workout zu Workout gesteigert. Jedes Mal kommt mehr Gewicht auf die Stange. Die Steigerungsrate ist enorm, was dem Anpassungspotentials eines Anfängers entspricht. Die Gewichte sind tendenziell niedrig, was es erlaubt, 3 mal / Woche dieselbe Menge an Intensität und Volumen anzuwenden. Mit diesen Programmen sollte das Fortgeschrittenen Stadium der Kraftwerte-Rechner mindestens erreichbar sein.

Fortgeschrittene: high Vol/ medium/ intensity

Beim Fortgeschrittenen wird die Gesamtbelastung für den Körper durch die höheren Gewichte in allen Übungen höher. Gleichzeitig wird ein stärkerer Stimulus benötigt um weitere Fortschritte auszulösen. Das wöchentliche Training wird aufgeteilt in Montag: hohes Volumen (5×5 sets across), einen Regenerationstag am Mi: (4×5 mit 80% des Gewichts von Mo) und einen Intensitätstag am Fr (1×5 ramp to top set)

Profis: Periodisierung

Sehr weit fortgeschrittene Athleten, die sich ihrem genetischen Maximum annähern, benötigen differenziertere Trainingsmodelle. Eine Periodisierung des Trainings stellt eine bewährte Vorgehensweise dar. Das beim 5×5 Advanced benutzte System setzt sich zusammen aus einer Volumenphase (4 Wochen) gefolgt von wahlweise einer Intensitätsphase oder einem Deload. Der Trainingsfortschritt verlangsamt sich, die nötigen Mittel für neue Anpassungen werden komplexer.

5×5 Trainingspläne

Einsteiger:

Dies als Überblick über die verschiedensten 5×5 Trainingssysteme.

Welches Programm konkret ausgewählt wird, ist vom Ziel und von den Voraussetzungen des Athleten abhängig. Insgesamt gehören die 5×5 Programme zu den vielseitigsten und variabelsten Trainingsprogrammen, die es im Kraftsport gibt.

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Johannes Steinhart

Autor

Johannes Steinhart

Biomediziner (M.Sc.) und Trainer der deutschen Fitnesslehrervereinigung

Seine Mission: Abnehmen, Muskelaufbau und Gesundheit verständlich und praxisnah vermitteln – ohne Bullshit und Mythen. Johannes ist Gründer von science-fitness.de und erreicht jährlich über 2+ Mio. Leser.

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Sim

Moin,
wieviele Sätze und wie viele Wiederholungen?

Ste

Warum immer Rudern vor Klimmzügen?

Ste

Wieviele Sätze pro Übung? Welcher Wiederholungsbereich? Muskelversagen ja/nein? Super Seite, danke euch weiter so!
Gruß

Thimo

Warum keine Kurzhantel Fliegende im bereich der Brust ? Finde die kann man im alle paar Monate auch mal einbauen.

Markus

Sehe ich das richtig, das im bsp. Plan pro muskel lediglich eine übung eingetragen ist!? Ist das nicht zu wenig???

Dr. med. Dominik Dotzauer

Nein, das siehst du falsch. Studier die jeweils belastete Muskelgruppen genau.

Nein, die Zahl der Übungen ist nur eine von vielen Variablen.

Welom

Hey,
bei den Beispielplänen sieht es so aus als seien die Übungen da ein wenig verrutscht in der Spalte weswegen man bei der 1. Variante nicht alles lesen kann. Wäre super wenn ihr das beheben könntet :)

Luca

Kann man bei Variante 1 stad Beinpresse auch Kniebeugen oder Frontkniebeugen machen?

Sohil

Was ist den besser lyle Mc. Plan oder so ein zweier Split

Dr. med. Dominik Dotzauer

Kann man nicht pauschal beantworten. Lass dich im Forum beraten.

Sven

Hallo,
Ich würde gern den Ersten plan hier in eurem Artikel in Verbindung mit Myo Reps mal ein paar Monate durchziehen. Ich würde als Rudervariante breites Rudern im Obergriff am Kabelzug machen statt Vorgebeugtes da ich in der Te2 ja schon Kniebeugen und gestr. Kreuzheben mache und der untere Rücken damit wohl genug Belastung erhält. Würdet ihr mir dann Klimmzüge im engen Untergriff empfehlen zwecks eine Enge eine Breite variante oder ist das zu vernachlässigen und statt dessen ganz normal im Obergriff?

Mfg

Johannes Steinhart, Biomedizin (M.Sc.) & Trainer des Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung e.V.

Wir empfehlen Klimmzüge mit ca. schulterbreitem Griff. Unter- oder Obergriff ist egal. Wähle die Variante, die sich besser anfühlt. Beim Untergriff hast du eben etwas mehr Bizeps-Beteiligung und weniger Rücken…das Ganze umgekehrt für den Obergriff. Aber ist in aller Regel vernachlässigbar…

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