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Fasten Mythos #3: “Viele kleine Mahlzeiten halten den Blutzucker stabil”

Geschrieben von Johannes Steinhart (M.Sc. Biomedizin & Ernährungswissenschaften)

Zahllose Diät-und Gesundheits-„Experten“ empfehlen viele kleine Mahlzeiten verteilt über den Tag zu sich zu nehmen, um Hungergefühle zu verringern, stabile Energielevel zu erhalten und geistig volle Leistung erbringen zu können. Konträr zu der weiterverbreiteten Annahme diesbezüglich, ist der Blutzucker extrem gut reguliert und wird beim gesunden Menschen innerhalb eines schmalen Bereichs gehalten. Er schwingt nicht hoch und runter wie ein Schimpanse auf Meth und fällt nicht wie ein Stein nach einigen Stunden ohne Nahrungsaufnahme. Oder einen ganzen Tag. Oder sogar eine ganze Woche.

Viele glauben, dass sie schwere Hungerattacken und geistige Einschränkungen befürchten müssen, wenn sie nicht öfters essen. Man bedenke kurz die evolutionären Konsequenzen auf das Überleben, wenn dies der Fall wäre. Reguläre Perioden von Fasten, sogar Hungersnöte waren ein natürlicher Teil unserer Vergangenheit. Wie hätten wir überlebt, wenn unser Körper und somit auch die Regulation des Blutzuckerspiegels nicht funktionieren würden in eben solchen Perioden? Ich habe junge, gesunde Männer gesehen, die sich über ihre Lethargie und geistige Umnebelung nach einigen Stunden ohne Essen beschwerten. Es ist komplett absurd. Aber ich schweife ab…

Blutzucker zu erhalten ist für den Körper von sehr hoher Bedeutung und wir haben sehr effiziente Regulationsmechanismen entwickelt, die dies sogar unter extremen Bedingungen leicht ermöglichen. Falls man 23 Stunden fastet und nun einen 90 minütigen Lauf bei 70-75% VO2max absolviert, so wird der anschließende Blutzuckerwert derselbe wie im nicht fastenden Zustand sein. Es würde mindestens 3 Tage oder 84 Stunden an Fasten dauern, um Blutzuckerwerte soweit zu senken, dass die geistige Leistungsbereitschaft reduziert wäre; und dies ist auch nur temporär, da unser Gehirn nun auf Ketonenverbrauch umstellt. Während 48-stündigen Fastens oder starker Kalorienreduktion wird der Blutzucker in einem normalen Bereich gehalten und die kognitive Leistung nicht negativ beeinträchtigt.

Um mehr über Blutzucker zu erfahren, empfiehlt es sich, meine Kritik von „Eat Stop Eat“ zu lesen, welche einen relevanten Abschnitt enthält. Zudem beachte man, dass die oben zitierten Studien unter wesentlich extremeren Bedingungen durchgeführt wurden als die Fastenprotokolle die ich oder Brad Pilon empfehlen.

Und wie hängen Blutzuckerwerte und Hunger zusammen? Der Blutzucker ist nur einer von vielen kurzfristigen Mechanismen, die Hunger kontrollieren, und die Behauptung, dass niedriger Blutzucker Hunger auslöst ist so nicht korrekt. Niedriger Blutzucker bedeutet nur niedrig im unteren Teil des Normalbereichs. Dieser Mechanismus steht zudem unter dem Einfluss vieler Störfaktoren wie normale Ernährung, Energieaufnahme und Genetik. Am wichtigsten scheinen angewöhnte Essenszeiten zu sein, welche von Grehlin und anderen Hormonen des Stoffwechsels kontrolliert werden. Zusammengefasst bedeutet das, dass der Blutzuckerwert sich den gewohnten Essenszeiten anpasst. Dies ist insbesondere interessant für diejenigen, die befürchten, dass Blutzuckerschwankungen und Hunger das Resultat von regelmäßigem Fasten sein könnten. Es erklärt, warum man sich leicht an Perioden regelmäßigen Fastens anpasst ohne jeglichen negativen Effekte.

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Johannes Steinhart

Autor

Johannes Steinhart

Biomediziner (M.Sc.) und Trainer der deutschen Fitnesslehrervereinigung

Seine Mission: Abnehmen, Muskelaufbau und Gesundheit verständlich und praxisnah vermitteln – ohne Bullshit und Mythen. Johannes ist Gründer von science-fitness.de und erreicht jährlich über 2+ Mio. Leser.

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Kira

Super hilfreich erklärt. Wirklich riesen Dank an Sie!

Gerd und Christine Spranger

Vielen Dank für Ihre guten Gedankenanstöße zum Abnehmen. Ohne es selbst wirklich zu wollen fällt es sehr schwer abzunehmen. Also bei uns war es so, dass wir zuerst selbst davon überzeugt sein mussten, es wirklich ernst zu meinen mit dem Abnehmen. Zu verlockend sind die täglichen Leckereien aus dem Supermarkt, vom Bäcker oder sonst wo.
Das größte Problem beim Abnehmen ist: Sich nicht ablenken lassen von dem Entschluss. Wer sich mit Essen selbst gern belohnt, hat es besonders schwer. Bei uns war das so. Wir mussten uns einen Ersatz für das gute Essen überlegen, das unser Belohnungszentrum im Gehirn stattdessen aktivierte.
In unserem Fall war es Sport. Wir nutzten jede Gelegenheit, um etwas für unseren Body und unsere Gesundheit zu tun. Wir gingen abends hinaus zum Walken, am Wochenende auf die Berge und wenn schlechtes Wetter war, machten wir zuhause Gymnastik.
Aber das alles bewirkte noch nicht das Abnehmen bei uns. Am Wichtigsten war die Ernährungsumstellung und zwar so, dass wir sie auch durchhalten konnten. Dazu gehörte es, dass das Essen auch weiterhin gut schmecken sollte. Irgendetwas essen wollten wir nicht. Da wir Genussmenschen sind, sollte die Ernährungsumstellung unseren Geschmack treffen.
Eines war klar: Wir verzichteten von nun an auf Alkohol, Zucker und Fertiggerichte. Es sollten nur noch frische, selbst zubereitete Lebensmittel auf den Tisch. Und für den kleinen Hunger zwischendurch gab es bei uns Studentenfutter, Joghurt oder Obst.
Natürlich achteten wir auch darauf, bewusst zu essen und nicht nebenbei schnell etwas in uns hineinzustopfen. Das war manchmal schwierig, weil unser Alltag – wie bei vielen anderen Menschen – sehr stressig ist. Wir schafften es langsam, über Wochen, 4 Kilo abzunehmen. Noch heute achten wir auf eine gesunde und natürlich Ernährung. Es gibt gesündere Phasen und ungesündere. Bis heute ist das so.

Roman

Hallo!

Stimmt es, dass schnelles Abnehmen dazu führt, dass mehr lose Haut übrig bleibt? Ist lose Haut bei größeren Gewichtsverlusten überhaupt vermeidbar?

LG

Johannes Steinhart, Biomedizin (M.Sc.) & Trainer des Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung e.V.

Lose Haut hat erst mal nichts mit der Abnehm-Geschwindigeit zu tun. Dafür ist selbst „schnelles Abnehmen“ immer noch zu langsam.

Bei großen Gewichtsverlusten gibt es verschiedene Szenarien. Manchmal bildet sich dich Haut über viele Monate zurück. Manchmal hilft nur ein operativer Eingriff. Ist alles sehr individuell -> Alter, Genetik usw.

Roman

Tausend Dank für die Antwort, lieber Johannes. Im Internet habe ich nämlich immer wieder von besagter Behauptung gelesen. Eine Behauptung, die ich für mich wieder einmal als „pseudowissenschaftlichen Klatsch der übelsten Sorte“ verbuche. :-)

LG

Petko

Guter Artikel, Danke

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