Mythos: “Häufig kleine Mahlzeiten = weniger Appetit”

Johannes Steinhart
Johannes SteinhartBiomedizin (M.Sc.) & Trainer (DFLV)
Aktualisiert: 26. November 2021

Bzgl. der Relevanz des Findens des besten Essverhaltens für Appetitkontrolle findet man einen überraschenden Mangel an Studien vor. In der am häufigsten zitierten Studie wurde adipösen Männern 33% ihres täglichen Kalorienbedarfs („preload“) in entweder 1 einzelnen oder 5 Mahlzeiten verabreicht, bevor sie 5 Stunden später ad libitum (soviel sie wollten) essen durften.

A: 1 Mahlzeit. 5 Stunden später freies Essen im „buffet“-Stil

B: Gleicher Versuchsaufbau, aber 5 statt 1 Mahlzeit; jeweils eine Mahlzeit pro Stunde bis zum freien Essen

Die Resultate zeigten, dass Versuchspersonen in der „A“ Gruppe 27% mehr Kalorien bei der ad libitum Mahlzeit zu sich nahmen. Der gleiche Aufbau wurde von den Forschern an schlanken Männern durchgeführt und zeigte ähnliche Resultate. Jedoch zeigt sich bei näherer Betrachtung, wie wenig Relevanz diese Ergebnisse im Alltag haben. Die Makrokomposition der „pre-load“ Mahlzeit war 70% Kohlenhydrate, 15% Fette and 15% Proteine – verzehrt in Form von Pasta, Speiseeis und Orangensaft. Diese Situation war höchstgradig künstlich und abnormal. Wer sitzt schon herum und knabbert an Nudeln und Eis, während er an Organgensaft nippt, zu jeder Stunde, bis hin zu einer geregelten Mahlzeit?

Die neusten Untersuchungen durchgeführt unter Bedingungen, die wesentlich mehr dem Alltag entsprechen, zeigen ein gegensätzliches Resultat. In dieser Studie führten 3 stark proteinhaltige Mahlzeiten zu einem größeren Völlegefühl und besserer Appetitkontrolle als 6 solcher Mahlzeiten. Meine Zusammenfassung ist hier zu finden: Three Meals Superior for Appetite Control

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Mahlzeitenfrequenz höchstgradig individuell ist. Aber absolute Aussagen, dass viele kleine Mahlzeiten überlegen sind, wenn es um Appetitkontrolle geht, sind falsch und basieren auf Studien, deren Methoden stark von realistischen Situationen abweichen. Aktuelle Forschungsergebnisse mit normalen Mahlzeitenverteilungen und mit einer Proteinzufuhr, welche man in einer nicht-idiotischen Diät vorfindet, legen eine bessere Appetitkontrolle mit weniger und größeren Mahlzeiten nahe.

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