Ist Fleisch wirklich schlecht fürs Klima?

Johannes Steinhart, M.Sc.
Aktualisiert: 9. Dezember 2025
Johannes Steinhart·Biomedizin (M.Sc.) & Trainer (DFLV)

„Weniger Fleisch für’s Klima“. Diese Forderung ist inzwischen überall zu hören. Sie impliziert, dass Fleischkonsum schlecht fürs Klima sei.

Doch stimmt diese Annahme überhaupt?

Oder ist sie ähnlich gelagert, wie die falsche Pauschalaussage „Fleisch ist schlecht für die Gesundheit.

In diesem Artikel schauen wir uns konkrete Daten und Fakten an. Außerdem erhältst du eine Einordnung und konkrete Empfehlungen, wie du deinen CO₂-Ausstoß senken kannst.

Wie viel CO₂ verursacht die Ernährung?

12 Tonnen CO* pro Jahr erzeugt ein Deutscher im Schnitt.1CO2-Rechner Umweltbundesamt

Davon sind aber lediglich 1,7 Tonnen CO* auf die Ernährung zurückzuführen.

Die Ernährung verursacht damit ~15 % unseres persönlichen CO-Ausstoßes. 85 % kommen aus anderen Quellen (siehe Abb 1.).2Direkte und indirekte CO₂-Emissionen in Deutschland (Statistisches Bundesamt)

Abb. 1: Direkte und indirekte CO₂-Emissionen in Deutschland (Statistisches Bundesamt)

Wer seinen CO₂-Ausstoß reduzieren will, muss aber natürlich an allen Emissionsquellen ansetzen. Damit auch an der Ernährung.

Wie viel CO₂ durch Fleisch?

Unterschiedliche Fleischsorten haben ganz unterschiedliche CO₂-Bilanzen.

Rindfleisch ist der große Übeltäter (+ andere Wiederkäuer wie bspw. Lamm, Ziegen usw.).

Rindfleisch erzeugt im Vergleich zu Puten- und Schweinefleisch 5x bis 10x mehr Treibhausgase.3Eshel G, Shepon A, Makov T, Milo R. Land, irrigation water, greenhouse gas, and reactive nitrogen burdens of meat, eggs, and dairy production in the United States. Proc Natl Acad Sci U S A. 2014 Aug 19;111(33):11996-2001. doi: 10.1073/pnas.1402183111. Epub 2014 Jul 21. PMID: 25049416; PMCID: PMC4143028.

In konkreten Zahlen bedeutet das:

  • 1000 kcal Rindfleisch produzieren ~10 kg CO,
  • 1000 kcal Pute oder Schwein nur ~2 kg CO. Übrigens genau so viel wie Milchprodukte oder Eier.

Auf dem folgenden Bild siehst du, wie viel mehr CO₂ durch Rindfleisch verursacht wird. Auch bei Land, Wasser und reaktivem Stickstoff sieht es für Rindfleisch schlecht aus.

Ressourcenverbrauch von Milchprodukten, Rind, Geflügel, Schwein und Eier pro 1000 kcal.

Wiederkäuer wie Rinder erzeugen durch ihre spezielle Verdauung große Mengen an Methan, welches besonders klimaschädlich ist.

Wichtig mitzunehmen: Neben der Menge kommt es also sehr stark darauf an, welche Art von Fleisch du genau isst.

O. K., aber was kannst du trotzdem mit deiner Ernährung gegen den Klimawandel tun?

Ist Fleisch also gar kein Problem für den CO₂-Ausstoß?

Nein, das kann man so auch nicht sagen.

Pflanzliche Lebensmittel produzieren im Schnitt weniger Treibhausgase als tierische Lebensmittel.

Aber auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

Abb. 2 – CO2 Ausstoß pro Kiologramm unterschiedliche Lebensmittel.

Wir sehen: 1 kg Rind und Lamm ganz rechts bei ca. 25 kg CO₂. Das ist zu erwarten.

Dann ein gewaltiger 70 % Sprung nach unten auf 8 kg CO₂ bei Butter und Käse. Kein Wunder, das sind Produkte, die Kuhhaltung erfordern.

Dann geht es auf 3–5 kg CO₂ nach unten für jeweils 1 kg Hühnchen, Schwein, Fisch, Eier, und nanu(!) Reis.

Auch Obst & Gemüse aus beheizten Gewächshäusern liegen in diesem CO₂-Bereich.4Clune, Stephen & Verghese, Karli & Crossin, Enda. (2016). Systematic review of greenhouse gas emissions for different fresh food categories. Journal of Cleaner Production. in press. 10.1016/j.jclepro.2016.04.082.

Es scheint auf einmal gar nicht mehr so eindeutig, ob Fleisch oder andere Lebensmittel weniger klimaschädlich sind.

Zudem gilt es, noch etwas Wichtiges zu beachten. Die CO₂ kg Angaben in Abb. 2 oben beziehen sich immer auf 1 kg Lebensmittel. Butter, Sahne und Käse rangieren zwar höher als Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst. Aber oft haben diese Milchprodukte 10-20x so viele Kalorien. Daher isst du davon mengenmäßig auch wesentlich weniger.

Beispiel: 10 g Butter sind schon ein Brotaufstrich. 500 g Erdbeeren oder Brokkoli sind hingegen schnell konsumiert.

Wie viel du von den jeweiligen Lebensmitteln tatsächlich isst, spielt also auch keine geringe Rolle.

Welche Ernährungsmuster für weniger CO₂-Emissionen?

Anstatt auf einzelne Lebensmittel zu schauen, ist ein Blick auf dein gesamtes Ernährungsmuster konkret hilfreicher.

Auf folgendem Bild siehst du das %-uale Einsparungspotential an CO₂ für verschiedene Ernährungsformen:5Aleksandrowicz L, Green R, Joy EJ, Smith P, Haines A. The Impacts of Dietary Change on Greenhouse Gas Emissions, Land Use, Water Use, and Health: A Systematic Review. PLoS One. 2016 Nov 3;11(11):e0165797. doi: 10.1371/journal.pone.0165797. PMID: 27812156; PMCID: PMC5094759.

Was sehen wir auf dem Bild?

Generell führen pflanzliche Ernährungsmuster im Vergleiche zu einer Ernährung mit vielen tierischen Produkten zu einem geringeren CO₂-Ausstoß.

  • Vegan: 45 % weniger CO: Nichts schlägt eine vegane Ernährung. Mit einer veganen Ernährung reduziert man die Treibhausgasemissionen um ca. 45 %.
  • Vegetarisch: 30 % weniger CO gelingt mit einer vegetarischen Ernährung. Als Pesco-Vegetarier (vegetarischen Ernährung + Fisch) rangiert man immerhin auch noch bei 25 % weniger Emissionen.
  • Sustainable Diet: 30–35 % weniger CO: Eine beachtliche 20 %-Reduktion bekommst du bereits, wenn du Rindfleisch durch Geflügel, Schwein und Fisch austauschst. Ersetzt du zusätzlich noch Fleisch und Milchprodukte zum Teil durch pflanzliche Lebensmittel, bist du insgesamt bei 30–35 % weniger CO₂.

Um wie viel reduzieren sich deine gesamten CO₂-Emissionen?

20 bis 45 % CO₂-Einsparungen bei der Ernährung entsprechen jährlich ca. 0,3 bis 0,8 t weniger CO₂.

Deine jährlichen Gesamtemissionen verringerst du damit aber nur um 2,5 bis knapp 7 %.

CO₂-Einsparung Ernährung Entspricht Gesamtreduktion
20 % 0,3 t −2,5 %
25 % 0,4 t −3,3 %
30 % 0,5 t −4,2 %
35 % 0,6 t −5,0 %
40 % 0,7 t −5,8 %
45 % 0,8 t −6,6 %

Eine Reduktion von ~5 % ist natürlich besser als nichts!

Aber sind wir ehrlich: Der große Durchbruch ist das nicht.

Diese Erkenntnis hat zwei wichtige Implikationen für die Diskussion über den Klimawandel:

  1. Die persönliche Ernährung kann einen kleinen Beitrag auf dem Weg zu weniger Emissionen leisten.
  2. Diskussionen über die Ernährung können von Klima-Gegnern leicht als Ablenkungsmanöver benutzt werden, um von den wirklich großen CO₂-Schleudern (wie Wohnen oder Verkehr) abzulenken.

Fazit

Ist „Fleisch“ nun schlecht fürs Klima?

Wichtig ist zu unterscheiden, ob wir von Rind, Lamm, Schwein oder Geflügel sprechen.

  • Rindfleisch und andere Wiederkäuer sehen bezüglich CO₂-Bilanz wirklich miserabel aus (25 kg CO₂).
  • Geflügel und Schweinefleisch haben aber viel bessere Klimabilanzen (3-5 kg CO₂). Auch Fisch steht mit 3–4 kg CO₂ nicht so schlecht da.
  • Eine 20 % Co2-Reduktion erreichst du bereits, indem du kein Rind und Lamm (nicht Fleisch generell!) mehr isst.
  • Ersetzt du zusätzlich Milchprodukte, Schwein, Geflügel und andere tierische Produkte öfter durch pflanzliche Produkte, kannst du weitere 10–15 % einsparen.
  • Den maximalen Effekt einer ca. 45 % Reduktion gibt es nur mit einer veganen Ernährung und dem kompletten Verzicht auf tierische Lebensmittel.

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