Eine Beobachtungsstudie mit 286.000 Menschen über bis zu 24 Jahre findet keinen Zusammenhang zwischen Proteinmenge und Arterienverkalkung. Seit Februar 2024 läuft trotzdem die Schlagzeile „Zu viel Protein verkalkt deine Arterien" durch die Gesundheitspresse. Datenbasis dieser Schlagzeile: Mäuse mit Sonder-Genetik plus zwei Pilotmessungen am Menschen mit indirekten Markern.
Was im Labor an entzündungsanfälligen Mäusen sichtbar wird, taucht in den Langzeitdaten am Menschen nicht auf.
Atherosklerose: erst Entzündung, dann Kalk
Atherosklerose ist ein chronischer Entzündungsprozess in der innersten Schicht der Arterienwand. „Verkalkung" beschreibt nur das späte Stadium — das Calcium kommt erst, wenn die Plaque jahrelang gewachsen ist.
Der Ablauf in vier Stufen:
Stufe | Was passiert |
|---|
1 | Cholesterinpartikel lagern sich in der Gefäßwand ein |
2 | Weiße Blutkörperchen wandern ein, sterben, hinterlassen Material |
3 | Über Jahre wächst daraus eine Plaque |
4 | Calcium lagert sich in der Plaque ein. Plaque verengt das Gefäß oder reißt auf — Herzinfarkt, Schlaganfall |
Wer behauptet, Protein verkalke die Arterien, muss zeigen, dass Protein einen dieser Schritte antreibt. Bei lebenden Menschen mit harten Endpunkten — nicht Petrischale, nicht Sonder-Genetik-Mäuse.
Wie aus genetisch anfälligen Mäusen eine Schlagzeile wurde
Im Februar 2024 veröffentlichten Forscher der University of Pittsburgh in Nature Metabolism eine Arbeit zur Frage, wie Protein und Arterienverkalkung zusammenhängen (Zhang et al., 2024). Der Kernfund: eine bestimmte Aminosäure, Leucin (einer der Eiweißbausteine, der besonders viel in tierischen Quellen vorkommt), aktiviert ab einer bestimmten Menge einen Signalweg in weißen Blutkörperchen, der Entzündungsreaktionen auslöst. Diese Reaktionen könnten theoretisch Plaque-Bildung fördern.
Die Autoren beschreiben eine Schwelle von ungefähr 25 g Protein pro Mahlzeit oder etwa 22 % der Tageskalorien. Darüber wird der Signalweg aktiv, darunter bleibt er ruhig.
Schauen wir, was darunter steht: