Ausgabe Juni 2026 · Print-im-Web

Science Fitness

„Was die Daten wirklich sagen"

Was ab 50+ anders läuft — und was du jetzt machen solltest.

Gesundheit verdient Differenzierung, nicht Behauptungen. Jeden Monat eine kuratierte Ausgabe für Leser, die zwischen Studie und Marketing unterscheiden.

Die Carnivore-Diät — Hype, Hoffnung oder echtes Risiko?

Ernährung eingeordnet · Nº 01

Die Carnivore-Diät — Hype, Hoffnung oder echtes Risiko?

Kaum eine Ernährungsform polarisiert zurzeit so sehr wie die Carnivore-Ernährung („nur Fleisch“): für die einen ein Reset-Knopf gegen Entzündungen, Übergewicht und „Brain Fog“, für die anderen ein Herzinfarkt mit Ansage. Beide Seiten berufen sich auf „die Studien“. Wir haben sie gelesen — und versuchen darüber hinaus eine Einordnung, die die empirischen Befunde ins größere Ernährungsbild stellt. Vier Fragen entscheiden: Wirkt es wirklich? Und wenn ja — liegt es am Fleisch oder einfach am Verzicht auf Kohlenhydrate? Welchen Preis zahlt man dafür bei Cholesterin und Nährstoffen? Und ist es auf Dauer sicher? Was ist die Carnivore-Diät? Die Carnivore-Diät ist eine Ernährungsform, die ausschließlich aus tierischen Lebensmitteln besteht. Pflanzliche Lebensmittel werden komplett weggelassen. Gegessen wird: Fleisch, vor allem rotes Fleisch wie Rind Innereien und Organfleisch (z.B. Leber, Herz) Fisch und Meeresfrüchte Eier tierische Fette wie Butter und Talg bei vielen Varianten auch Milchprodukte wie Käse und Sahne Weggelassen wird: alle pflanzlichen Lebensmittel: Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen pflanzliche Öle und Zucker meist auch koffeinhaltige Getränke In der Praxis ist die Carnivore-Diät ein Spektrum: Es reicht von sehr strengen Varianten wie der „Lion Diet“ (nur Rind, Salz und Wasser) bis zu lockereren Formen, die alle tierischen Produkte inklusive Milch und Eier erlauben. Der Status Quo: Hype vs. harte Daten In den einschlägigen Foren und Videos klingt die Carnivore-Diät wie ein Reset-Knopf für den Körper: Entzündungen gehen zurück, das Gewicht fällt, der Kopf wird klar, Autoimmun- und Darmbeschwerden lösen sich auf. Allein unter dem Hashtag #carnivore stehen auf Instagram rund 2,6 Millionen Beiträge (Lietz et al., 2026). Die Bewegung ist laut, sichtbar, und sie wächst. Wer wirklich Carnivore isst Über die Anhänger wissen wir dank einer Untersuchung erstaunlich viel. Die bislang größte Bestandsaufnahme ist eine Online-Befragung von 2.029 Erwachsenen, die seit mindestens sechs Monaten rein tierisch aßen (Lennerz et al., 2021).

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150 Minuten reichen nicht: WHO-Bewegungs-Check

Bewegungs-Check · Nº 02

150 Minuten reichen nicht: WHO-Bewegungs-Check

150 Minuten pro Woche. Die Zahl steht in Arztbroschüren, auf Gesundheitsportalen, in der Bewegungs-App am Handgelenk. So oft wiederholt, dass sie inzwischen fast jedem bekannt ist — und sich wie ein Haken auf einer To-do-Liste anfühlt: abgehakt, Pflicht erfüllt. Dabei gehen beim Verkürzen auf diese eine Zahl gleich mehrere Nuancen unter. Gemeint ist mit den „150 Minuten“ 150 Minuten moderate bis anstrengende Ausdaueraktivität pro Woche. Die meisten wissen dabei nicht, was mit moderat und anstrengend wirklich gemeint ist (lösen wir gleich auf). Dabei sind diese 150 Minuten nur ein Teil der Empfehlung. Die zweite Hälfte, das Krafttraining, fällt in der öffentlichen Wahrnehmung fast immer unter den Tisch. In Deutschland erfüllen gerade einmal rund 26 Prozent der Erwachsenen beide Empfehlungen zusammen — Ausdauer und Kraft (WHO, 2024). Drei von vier verfehlen also schon dieses Minimum. Dabei ist das Krafttraining keine Zugabe für Fortgeschrittene, sondern Teil der grundlegenden Leitlinie. Und selbst für die Ausdauer-Hälfte lässt „150 Minuten“ vieles offen. Sind damit 150 Minuten zügiges Gehen gemeint oder 150 Minuten Laufen — die Untergrenze oder schon das Doppelte? Zählt nur, was genau auf die 150 kommt, oder bringt auch weniger bereits etwas? Und lohnt sich mehr? Die nackte Zahl beantwortet keine dieser Fragen. Was die Empfehlung wirklich sagt Die erste Säule: Ausdauer Was die Weltgesundheitsorganisation und die US-Leitlinien empfehlen, besteht aber aus zwei Teilen — 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche (oder 75 bis 150 Minuten anstrengende) (Bull et al., 2020) (Piercy et al., 2018). Damit du dich orientieren kannst, musst du jedoch wissen, was als moderate und was als anstrengende Bewegung zählt — beides ist niedriger angesetzt, als viele vermuten. Gemessen wird die Intensität in MET (siehe Kasten). Kurz erklärt: MET

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Wie sollte ich mein Eiweiß über den Tag verteilen?

Ernährung · Nº 03

Wie sollte ich mein Eiweiß über den Tag verteilen?

Wann solltest du dein Eiweiß eigentlich essen – gleichmäßig über den Tag verteilt, eher morgens oder eher abends, in vielen kleinen Portionen oder in zwei großen? Die klassische Antwort klingt eindeutig: drei bis vier proteinreiche Mahlzeiten, schön gleichmäßig verteilt. Das klingt plausibel und hat wissenschaftliche Wurzeln. Aber ist das noch der aktuelle Stand – und was bedeutet das für Konzepte wie Intervallfasten oder ein eiweißarmes Frühstück? Auf den ersten Blick leuchtet die traditionelle Empfehlung sofort ein. Dahinter steht eine reale Beobachtung: Nach einer eiweißreichen Mahlzeit wird im Körper für einige Stunden die sogenannte Muskelproteinsynthese (MPS) hochgefahren – also der Prozess, bei dem neues Muskeleiweiß gebildet wird. Dieses Signal lässt sich ab einer bestimmten Schwelle – ab etwa 0,4 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht (bei 70 kg also rund 28 g) – scheinbar nicht mehr weiter steigern. Was darüber hinaus in derselben Mahlzeit landet, so die frühere Schlussfolgerung, „verpufft“ für den Muskelaufbau (Schoenfeld et al., 2018). Wenn das stimmt, wäre die Konsequenz naheliegend: Das Eiweiß lieber über den Tag verteilen und die MPS mehrmals maximal stimulieren, statt alles auf einmal zu essen und den Rest zu verschenken. Genau hier wird es spannend. Eine bahnbrechende Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass der Muskel nach dem Krafttraining auch sehr große Portionen effektiv verwertet – im Versuch waren es 100 g Eiweiß auf einmal. Eine so große Menge verweilt schlichtweg wesentlich länger im Verdauungstrakt. Die Aminosäuren werden nicht, wie früher oft vermutet, einfach nutzlos verbrannt (oxidiert), sondern tröpfeln über viele Stunden kontinuierlich ins Blut. Der Körper nutzt diesen stetigen Zustrom und hält die MPS über mehr als zwölf Stunden erhöht (Trommelen et al., 2023). Eine feste, absolute Obergrenze pro Mahlzeit gibt es demnach nicht – das Zeitfenster für die Verwertung dehnt sich lediglich aus.

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